Kultureller Fachkräftemangel
Willkürliche Visa-Ablehnungen gefährden Kulturevents – nicht nur in der WERKSTATT DER KULTUREN
Berlin, 15.02.2019 – Anlässlich des diesjährigen, noch bis zum 28.2.2019 laufenden Black History Month, der bis dato einen Besucher*innenrekord brach, lud die WERKSTATT DER KULTUREN zahlreiche Künstler*innen aus dem In- und Ausland“ in das Mehrspartenhaus in Neukölln. Auch den marokkanischen Rebab-Spieler Aziz Azzi, Mitglied der Band „Yban Yban“. Aber Azzi muss zu Hause bleiben und wird bei dem Konzert am 21.02.209 nicht auf der Bühne stehen. Begründung der Visa-Stelle in Rabat: „(…) die vorgelegten Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts waren nicht glaubhaft.“ Und: „(…) die Absicht, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Mitgliederstaaten auszureisen, konnte nicht festgestellt werden.“
Kurator Zouiten: "Rebab-Spieler stehen nicht an der Straßenecke!“
Weder die offzielle Einladung der Intendanz des Hauses, noch reservierte Flüge und Hotels konnten die deutschen Beamt*innen in Marokko überzeugen. „Ein Skandal“, findet der Kurator der Veranstaltung, Alaa Zouiten: „Azzi ist unersätzlich für die Band, er hat eine einmalige Expertise im Spiel seines Instruments. Rebab-Spieler stehen nicht an der Straßenecke!“
Zouiten ist ein musikalischer und organisatorischer Tausendsassa. Ihm sind solche Probleme nicht neu. Der Komponist und Oud-Spieler ist Vater des ersten Gnaoua-Festivals Berlin und kuratiert seit 2018 die erfolgreiche Konzertreihe „Arab Song Jam goes Maghreb“. Dabei werden Neuinterpretationen populärer und traditioneller arabischer Lieder in der WERKSTATT DER KULTUREN auf die Bühne gebracht. Mit seinen Musik-Events schafft er, was viele beneiden: große lokale Beliebtheit gekoppelt an ein internationales Renommee: „Die Washington Post und die New York Times haben von unseren Konzerten berichtet. Begeistert berichtet!“
"L´africanité" als Hauptteil des marokkanischen Kulturerbes
Anlässlich des Black History Month 2019 hat der in Casablanca gebürtige Wahl-Berliner eine Perle der sub-saharischen Musikkulturen eingeladen: Amine Bliha und seine Band "Yban Yban" kommen für Masterclass und Konzert nach Berlin. Alaa zu diesem Glücksfall: "Amine Bliha ist einer der Hauptvertreter der neuen Generation von marokkanischen Musiker*innenn, welche "L´africanité" nicht nur als "Inspirationsquelle" ihrer Kompositionen nutzen, sondern auch als Hauptteil des marokkanischen Kulturerbes ansehen."
Visa-Ablehnung musikalisch katastrophal und kulturpolitisch skandalös
Dass nun einer seiner Bandmitglieder nicht einreisen darf, sei musikalisch katastrophal und kulturpolitisch skandalös. „Der kulturelle Brückenabbau wird uns allen durch so etwas enorm erschwert!“
Insgesamt finden im Rahmen des Black History Month vom 1. - 28. Februar mehr als 20 Veranstaltungen in der WERKSTATT DER KULTUREN statt. Neben dem Schwerpunkt-Event zu Music of the Black Atlantic finden sich auch Film-Screenings, Meisterklassen, Vernetzungstreffen, Diskussionsrunden und Parties im Programm.
Wir freuen uns über Ihr zahlreiches Erscheinen und Ihre ausführliche Berichterstattung!
AMINE BLIHA & YBAN YBAN Donnerstag, 21.02.2019 | 19:30
WERKSTATT DER KULTUREN | Eintritt frei
Kuration: Alaa Zouiten
ARAB SONG JAM ist eine Veranstaltung in Kooperation mit “Sound routes. Notes to get closer”, unterstützt von der Creative Agency of the European Commission.

Jedes Jahr im Februar wird in zahlreichen Ländern der Black History Month mit Veranstaltungen zu Schwarzer Kultur und Geschichte zelebriert. Diese Tradition geht auf das Jahr 1926 zurück, als der afro-amerikanische Historiker Dr. Carter G. Woodson die NEGRO HISTORY WEEK initiierte, um die breite Öffentlichkeit in den USA über Schwarze Geschichte und die Errungenschaften von Afro-Amerikanern zu unterrichten.
Der erste deutsche Black History Month fand im Jahre 1990 statt und wurde von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) organisiert.
Auch die WERKSTATT DER KULTUREN macht mit verschiedenen Veranstaltungen jeden Februar Schwarze Kultur, Geschichte und Gegenwart sichtbar - jeweils mit variierenden Schwerpunkten. Vom 01.-28. Februar 2019 finden mehr als 20 Veranstaltungen statt - mit dem Fokus Music of the Black Atlantic: Mit seinem Buch 1993 erschienen Buch The Black Atlantic: Modernity and Double Consciousness prägte der britische Historiker und Experte der Musik afrikanischer Diaspora-Kulturen Paul Gilroy den Begriff. Die atlantische Welt, so argumentierte Gilroy, sei tiefgreifend durch Versklavung und Menschenhandel geprägt, denn zwischen 1492 und 1820 waren ca. 2/3 der Menschen die den Atlantik in Richtung der Amerikas durchquerten Afrikaner*innen.
Diese gewalttätige, brutale Migration spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung eines Schwarzen Bewusstseins in den Amerikas und Europa. Jedoch, so Gilroy, ist dieses Schwarze Bewusstsein ambivalent: es weist weiße Kultur nicht ab, sondern formt sie aktiv mit. Im Grunde hat es einen Weg gefunden schöpferisch den Atlantik erneut zu durchqueren um eine zentrale Rolle in der Entstehung der Postmoderne zu spielen.
Die WERKSTATT DER KULTUREN möchte mit dem diesjährigen Black History Month einerseits all diejenigen ehren die über die Jahrhunderte, unter sehr schwierigen Bedingungen im atlantischen Raum widerständige Musiken geschaffen haben die heute weltweit gehört werden und andererseits Bands vorstellen die afrikanische und afro-diasporische Musiken vorstellen, wie sie heute im Schwarzen Atlantik gespielt werden.
Neben Film-Screenings, Meisterklassen, Vernetzungstreffen, Diskussionsrunden und Parties finden von verschiedenen Kurator*innen entwickelte Konzertreihen statt, die die Schwarze Musik des atlantischen Raums zelebriert: Reggae aus Jamaika, Blues, Gospel, Jazz und Soul aus den USA, Gnawa aus Marrokko, Rumba und Salsa aus Kuba und dekolonialer, deutscher Hiphop made in Berlin!
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DIE WERKSTATT DER KULTUREN
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Als Veranstaltungshaus und (Festival)Produzentin macht sich die WERKSTATT DER KULTUREN als einzige Einrichtung der Stadt zur Aufgabe, aktuelle (kultur- und migrations) -politische Entwicklungen in den Blick zu nehmen und sie mittels unterschiedlicher Kunst-, Kultur- und Aktionsformen zu thematisieren. Im Herzen von "Kreuzkölln" schafft sie (Frei)Räume zur Kommentierung und Mitgestaltung laufender Diskurse und zur Gestaltung und Sichtbarmachung von Kunst- und Kulturproduktionen aus den unterschiedlichen künstlerischen und kulturellen Milieus der Stadt – unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten von People of Color, Schwarzer Menschen und Angehöriger weiterer kultureller Minderheiten. Und das seit 25 Jahren: Download Magazin "WERKSTATT DER KULTUREN: Kunst, Kultur, Aktion" |
