News

 
 

Die WERKSTATT DER KULTUREN feiert 25-jährigen Geburtstag mit dem 1. Gnaoua Festival Berlin

Zum Jubiläums-Auftakt holt die Berliner Kulturinstitution die Musik der Gnaoua ins
Haus – die Trance-Musik Marokkos! Auf dem Festival-Programm: Große Meister aus
Marokko, neue diasporische Stimmen des Gnaoua und Kollaborationen mit der World-
Jazz-Szene der Hauptstadt.

Das 1. GNAOUA FESTIVAL BERLIN zelebriert die legendäre tranceartige Musik der Gnaoua, den Nachfahren von Westafrikaner*innen, die ab dem 11. Jahrhundert aus der Region um die heutigen Staaten Mauretanien, Senegal, Niger und Mali verschleppt und im Maghreb versklavt wurden. In der nordafrikanischen Diaspora nutzten sie unterschiedliche sakrale Musiken Westafrikas als Widerstandspraxis und kreolisierten sie mit Sufitraditionen und Musikstilen der Araber, Juden und Berber.

Mit ihrer rhythmusbetonten Musik erneuerten sie nicht nur den Sound Marokkos, Algeriens und Tunesiens,
sondern übten auch großen Einfluss auf die internationale Entwicklung des Jazz aus: Ab den 1960er Jahren interessierten sich renommierte US-Jazzmusiker wie Randy Weston, Archie Shepp oder Joe Zawinul für die Trance-Musik der Gnaouas und traten zusammen mit großen Mâalems (Gnaoua-Meistern) auf – und auch Rockstars wie Jimi Hendrix, Led Zepplin oder Carlos Santana ließen sich von Gnaoua-Musik inspirieren.

Zum Gnaoua- und Weltmusik-Festival in Essaouira (Marokko) strömen jedes Jahr 450.000 Besucher aus
der ganzen Welt. Auch internationale Stars des Jazz wie Pat Metheney, Dave Holland oder Marcus Miller und
Größen der Weltmusik wie Oumou Sangaré, Ali Farka Touré, Youssou N´dour pilgern jährlich in den
Nordwesten des Kontinents, um mit den Gnaouas gemeinsam aufzutreten.

Auch beim 1.GNAOUA FESTIVAL BERLIN stehen musikalische Begegnungen auf dem Programm:

  • Das Festival eröffnet als special guest Gnaoua-Meister Majid Bekkas (Marokko), der Erfinder des „Gnaoua Blues“, bekannt u.a. durch Auftritte mit Archie Shepp, Pharaoh Sanders und Klaus Doldinger.
  • Danach trifft Majid Bekkas auf arabische Musiker*innen der von der WERKSTATT DER KULTUREN
    organisierten Kult-Konzertreihe „ARAB SONG JAM“, über die bereits New York Times und Washington Post berichteten. Zusammen unternehmen sie eine musikalische Entdeckungsreise durch die Welten von Gnaoua, Tarab, Maqam und Rai: Wir erwarten eine vibrierende Jamsession à l´arabe!
  • Der zweite Festival-Tag (Freitag, 17.08. 2018) beginnt um 18 Uhr mit einer Parade, bei der Gnaoua-Musiker und -Tänzer mit Qraqebs (Metallkastagnetten), Guembri (Basslaute) & Co zum Hermannplatz ziehen.
  • Abends betritt mit Simo Lagnawi (Marokko/London) ein „junger Wilder“ des Gnaoua die Bühne, der u.a. mit seiner Band Electric Jalaba für viel Furore sorgte ("Loving the release, we need to get them in the studio!", BBC-Musikjournalist Gilles Peterson).
  • Nach einem Eröffnungsset mit traditioneller Gnaoua-Musik tritt Simo Lagnawi mit dem Sänger und Oud-
    Spieler Momo Djender (Algerien/Berlin) auf, einem „Erneuerer“ der traditionellen algerischen Chaabi-Musik, der in der Vergangenheit bereits mit Sting und Klaus Doldinger tourte. Zum Abschluss katapultieren sie - begleitet von Drums, Jazz-Trompete und Elektro-Loopstation - den traditionellen Sound des Maghreb ins 21.Jahrhundert.
  • Höhepunkt des letzten Festivaltags (Samstag, 18.08.2018) ist das Konzert von Mâalem Mokhtar Gania (Marokko), Sohn der legendären marokkanischen Musikerfamilie Gania, der seine Familiengeschichte nach Mali zurückverfolgen kann. Er erlernte die Kunst des Gnaoua von seinem Vater Mâalem Boubker Gania und seinem Bruder Mâalem Mahmoud Gania, die zu den wichtigsten Gnaoua-Meistern Marokkos zählten und deren musikalisches Erbe er nun antritt.
  • Davor präsentiert das Festival-Ensemble „Master Class“, die Ergebnisse einer dreitägigen Master Class
    während der bekannte Musiker*innen aus der Berliner World-Jazz-Szene zusammen mit Gnaoua-Musikern Fusionen von Gnaoua-Musik und modernen Jazzimprovisationen entwickeln.
     

Kurator des 1. GNAOUA FESTIVAL BERLIN ist der Oud-Spieler Alaa Zouiten (Marokko/Berlin), der zugleich
auch Co-Kurator der Konzertreihe „ARAB SONG JAM goes Maghreb“ der WERKSTATT DER KULTUREN ist. 2017 erschien seine vielbeachtete CD „Talking Oud“, gefördert durch den „Arab Fund for Arts and Culture“.

Featuring: Mokhta Gania (Marokko), Majid Bekkas (Marokko), Simo Lagnawi (Marokko/London),
Momo Djender (Algerien/Berlin), Alaa Zouiten (Marokko/Berlin), Black Koyo (Marokko/Brüssel),
Muhammed Rafat (Ägypten/Berlin), Arystan Petzold (Dresden) etc.

Rahmenprogramm 1. GNAOUA-FESTIVAL BERLIN:

  • Workshop: Gnaoua für Kinder und Laien mit Simo Lagnawi (Marokko/London)
  • Instrumentenbau-Ausstellung: Guembri, Oud & Co mit Mohamed Khoudir (Algerien/Berlin)
  • Lecture & Talk: „Ästhetik, Ethik und Trance in der Gnaoua- Kultur“ (Dr. Tamara Turner / Max Plank
    Institute for Human Development Berlin)

Hintergrundinfo: Der „Blues Marokkos
Die in den Maghreb verschleppten West-Afrikaner*innen fusionierten und synkretisierten ihre Musikstile,
Sprachen und Religionen mit verschiedenen Kulturen Nordafrikas. Auch führten sie Instrumente ein, die bis
heute den Klang des Gnaoua prägen: z.B. die Guembri, eine mit Ziegenfell bespannte Basslaute mit drei
Saiten, mit der der Mâalem (Gnaoua-Meister) seine Gesänge anstimmt oder die metallenen Qraqebs,
Vorgänger der Flamenco-Kastagnetten, die den polyrhythmischen Groove des Gnaoua erzeugen. In der
Diaspora kombinierten die Gnaouas die pentatonischen Melodien, Call-and-Response-Gesänge und
komplexen Rhythmen West-Afrikas mit den lokalen Musiktraditionen der Araber, Sufis, Juden und Berber.
Obwohl die Gnaouas im Maghreb als Subkultur verfemt waren und deswegen lange am Rand der
Gesellschaft standen, ist ihr Einfluss auf die Musik Nordafrikas immens: So werden z.B. die 1970er-Kultbands
Nass el Ghiwane und Jil Jilala (die „Rolling Stones Marokkos“), die Gnaoua mit anderen populären Stilen und
sozialkritischen Texten kombinierten, noch heute im ganzen Maghreb geradezu mythisch verehrt.

Hintergrundinfo: Gnaoua, Trance & Therapie
Neben der Musik fasziniert auch der therapeutische Hintergrund der Gnaoua-Kultur: Seit jeher nutzen die
Gnaouas die hypnotische Wirkung ihrer Musik für Heilungszeremonien, die an den haitianischen Voudou, den
brasilianischen Candomblé oder den kubanischen Lucumi erinnern, die ebenfalls westafrikanischer Herkunft
sind. Lilas, nächtliche Rituale, die oft erst im Morgengrauen enden, werden für Leiden aller Art abgehalten. Mit
Musik und Tanz werden unterschiedliche Geisterkräfte (Mlouks) geweckt. Ziel ist es, den „Patienten“ in Trance
zu versetzen, damit er mit den heilenden Geistwesen in Verbindung treten kann.
 

Eröffnung: 16.08.2018 | 19.30 Uhr
Eintritt: frei
Programm:
www.werkstatt-der-kulturen.de/de/gnaoua_festival

 

  




Wissmannstraße 32 | 12049 Berlin
www.werkstatt-der-kulturen.de
 

   



  


Die WERKSTATT DER KULTUREN wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

PRESSE-KONTAKT:
Team Kommunikation
Tel.: +49 (0)30 60 97 70-15/25
redaktion@werkstatt-der-kulturen.de
Wissmannstraße 32 | 12049 Berlin


DIE WERKSTATT DER KULTUREN

         

Als Veranstaltungshaus und (Festival)Produzentin macht sich die WERKSTATT DER KULTUREN als einzige Einrichtung der Stadt zur Aufgabe, aktuelle (kultur- und migrations) -politische Entwicklungen in den Blick zu nehmen und sie mittels unterschiedlicher Kunst-, Kultur- und Aktionsformen zu thematisieren.

Im Herzen von "Kreuzkölln" schafft sie (Frei)Räume zur Kommentierung und Mitgestaltung laufender Diskurse und zur Gestaltung und Sichtbarmachung von Kunst- und Kulturproduktionen aus den unterschiedlichen künstlerischen und kulturellen Milieus der Stadt – unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiten von People of Color, Schwarzer Menschen und Angehöriger weiterer kultureller Minderheiten.

Und das seit 25 Jahren:

Download Magazin "WERKSTATT DER KULTUREN: Kunst, Kultur, Aktion"

 

zurück zu Newsübersicht